Die neue, im Süden der Insel gelegene Bodega, wartet mit Größe auf. Angefangen von den nicht übersehbaren großen Weinflaschen, die den Weg zum Weingut weisen, bis hin zu einem scheinbar überdimensionierten Schotterparkplatz, in dem man sich festfahren kann sowie einem freistehenden mächtigen Kubus aus Sandstein ist alles auf Masse getrimmt.
Auf 80 ha zusammenhängender Fläche wurden 2012 Reben gepflanzt und bereits drei Jahre später erstmals gelesen und viniviziert. Zum Thempo, was hier angeschlagen wird, paßt leider auch das Konzept der Bodega. Ein architektonisch ausdrucksloser in die Natur gesetzter Großbau scheint etwas hilflos in der Landschaft zu stehen. Groß gedacht ist auch der Eingangsbereich, der sich zweigeschossig über die gesamte Breite des Gebäudes erstreckt und wie eine nüchterne Bahnhofshalle wirkt. Hier fühle ich mich eher an den Megapark erinnert als an eine Bodega. Das Architektur auch im Einklang mit der Natur entstehen kann, haben u.a. Tianna Negre und Can Axartell bewiesen.
Das die Sinnlichkeit eines Weins und seiner Verkostung nicht in eine ebenso sinnliche Formensprache der Architektur umgesetzt wurde ist äußerer Eindruck des kommunizierten Konzeptes. Alles erweckt den Eindruck als müßte schnell mit einem Massen-Wein-Tourismus geldverdient werden. In der Degustationshalle – schon der Begriff Halle pervertiert eine wunderbare Weinverkostung – haben sicherlich 100 bis 150 Personen an einfachen Tischen und Bänken Platz, wie sie auch in einem Wisn-Zelt stehen könnten. Die andere Hallenhälfte wird von nahezu deckenhohen Weinregal und diversen mobilen Regalwänden unterteilt, in denen sich Weine, Olivenöle und sonstige Inselprodukte befinden.
Eine kleine Weinverkostung ist dann der Neugierde geschuldet. Zumal ein mannshohes Plakat an der Wand mir erklärt, wie eine Winetasting funktioniert. Gut, daß ich das jetzt weiß – zumindest theoretisch.
Es gibt nach Auskunft des Servicepersonals (russisch, kroatisch, deutsch – sie eint die spanische Sprache) derzeit drei Linien: Eine Gastromarke, die bei 6,- €/Flasche beginnt, die Kernmarke (ab 6,50 €) sowie eine Premium-Edition (7,50 €). Letztere zeichnet sich dadurch aus, daß die Trauben von Hand gelesen werden; Standard ist der Einsatz von Maschinen. Der Unterschied zwischen Gastro- und Kernmarke bleibt im vagen. Der rote Premiumwein (2015) reift noch im Edelstahltank und der junge Rote (2016) im Barrique wußte das freundliche Personal zu berichten. Nun ja, wieder was gelernt.
Möglicherweise wurde bei der Rebenqualität und ihrem Alter das bestmögliche Resultat bei der Vinifizierung herausgeholt. Das Produkt ist sicherlich massentauglich und die Nähe zur Playa de Palma wird die biermüden oder weinfreudigen Touristen sicherlich ausreichen in die Bodega schwemmen. Dann ist für den Eigentümer das Konzept aufgegangen.
Für mich ist es eine seelenlose Bodega, um die anspruchsvolle Weingenießer und neugierige Weininteressierte einen großen Bogen machen sollten.
Bodega Vi Rei, Ctra. Cap Blanc km 25, 07620 Llucmajor
Fon +34. 971. 00 74 60, Web www.bodegasvirei.com
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